Bei den regelmäßigen Untersuchungen, die deine Hebamme oder die Frauenärztin oder der Frauenarzt durchführen, wird nicht nur dein Bauch abgetastet und die Herztöne deines Babys gehört, sondern auch immer dein Blutdruck gemessen und dein Urin kontrolliert. Ein erhöhter Blutdruck oder Eiweiß im Urin können Hinweise auf eine sogenannte hypertensive Schwangerschaftserkrankung sein – also eine Erkrankung, die deinen Kreislauf betrifft.
Vielleicht hast du schon Begriffe wie EPH-Gestose, SIH oder sogar „Schwangerschaftsvergiftung“ gehört. Heute spricht man von Präeklampsie – das bedeutet „Zustand vor dem Krampfanfall“. Das klingt erstmal beunruhigend, aber je mehr du über die Erkrankung weißt, desto besser kannst du dich und dein Baby schützen.
„Je früher eine Präeklampsie erkannt und mit einer symptomatischen Therapie und entsprechenden Diagnostik begonnen wird, desto besser für dich und dein Kind.”
Was löst Präeklampsie aus?
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass schon bei der Einnistung der befruchteten Eizelle Störungen auftreten können, die Blutgefäße in der Plazenta sich nicht richtig ausbilden oder die Blutplättchen nicht richtig funktionieren. Bei frühen Ultraschalluntersuchungen kann die Durchblutung der Gebärmutterarterien überprüft werden. Ein auffälliger Befund kann ein Hinweis auf Präeklampsie sein.
Etwa fünf Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Besonders gefährdet sind sehr junge oder ältere Frauen, Frauen mit Übergewicht, Schwangere mit einer Präeklampsie in der Vorgeschichte, eine positive Familienanamnese, eine Mehrlingsschwangerschaft, sowie Schwangere mit Bluthochdruck oder Diabetes. Auch Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen, Kinderwunschbehandlungen oder mehrere Fehlgeburten, können das Risiko erhöhen.
Deshalb ist eine gründliche Anamnese zu Beginn der Schwangerschaft so wichtig.
So kündigt sich Präeklampsie an:
Die Symptome können zusammen, aber auch einzeln auftreten.
- Erhöhter Blutdruck
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Sehstörungen
- Wassereinlagerungen (Ödeme): Neigst du schon in der Mitte der Schwangerschaft zu starken Schwellungen, solltest du das ernst nehmen.
- Eiweiß im Urin
- Rechtsseitige Oberbauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
Bei bekannten Risiken oder auffälligen Blutdruckwerten wirst du engmaschiger überwacht, oft auch mit häufigeren Ultraschalluntersuchungen und Blutentnahmen. Weil eine Präeklampsie das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, auch nach der Geburt, erhöht, solltest du neu auftretende und andauernde Symptome immer abklären lassen, um dich und dein Kind zu schützen.
Wie kann ich Präeklampsie vorbeugen?
Obwohl es neben der so genannten Dopplersonographie (hier werden Blutströme z.B. in den Blutgefäßen der Gebärmutter und der Plazenta gemessen) weitere verschiedene Tests gibt, empfiehlt die ärztliche Leitlinie kein generelles Screening bei allen Schwangeren. Lediglich bei einem bereits bestehenden Risiko, wie es oben beschrieben ist, kann es Sinn machen, ab der SSW 24+0 eine spezielle Blutuntersuchung durchzuführen, bei dem das Vorkommen zweier von der Plazenta produzierten Eiweiße untersucht wird (sFlt1/ PLGF-Quotient). Dieser Test kann vorhersagen, ob eine Präeklampsie in der kommenden Woche auftreten wird.
- Liegt bei dir ein erhöhtes Risiko vor, empfiehlt die Leitlinie die tägliche Einnahme von 100- 150 mg Acetylsalicylsäure (Aspirin) möglichst früh in der Schwangerschaft (vor der 16. Woche). Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D, Omega-3, Magnesium, Arginin und Melatonin können unterstützend wirken, aber die Studienlage ist hier noch nicht eindeutig.
Auch eine angepasste Ernährung kann helfen: Entgegen früheren Empfehlungen solltest du bei Präeklampsie-Risiko deine Speisen ruhig etwas kräftiger salzen (1-2 Teelöffel zusätzlich pro Tag) und auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten (1,3g pro kg Körpergewicht zusätzlich). Manchmal sind Eiweiß-Shakes hilfreich.
Ebenso können körperliche Aktivitäten wie anaerobes Training, Yoga oder Krafttraining das Risiko laut Leitlinie senken, vor allem dann, wenn sie in der Frühschwangerschaft oder bereits vor der Schwangerschaft begonnen werden.
Was passiert mit dem Baby bei Präeklampsie?
Steigt dein Blutdruck in der Schwangerschaft, kann das für dich und dein Kind gefährlich werden. Je früher das passiert, desto größer ist das Risiko, dass die Blutgefäße sich verengen und dein Baby nicht mehr optimal versorgt wird, da sich das auch auf die Plazenta auswirkt. Das kann zur Folge haben, dass dein Kind nicht mehr richtig wächst (fetale Wachstumsrestriktion) und das Risiko für eine Frühgeburt steigt. Je nachdem wie ausgeprägt die Wachstumsrestriktion ist, steigen die Risiken für das Kind vor und nach der Geburt. Bei einer Präeklampsie ist oft eine Behandlung im Krankenhaus nötig. Unter engmaschiger Überwachung können die Symptome reduziert werden, aber manchmal ist die Geburt die einzige Therapie. Hierbei wird immer eine gründliche Nutzen-Risikoabwägung vorgenommen.
Und wenn ich betroffen bin?
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hebamme, Gynäkologin oder Gynäkologe ist jetzt besonders wichtig. Liegt eine Präeklampsie vor, ist die Betreuung in einem Level 1 Haus empfohlen. Durch engmaschige Kontrollen von Blutdruck, bestimmten Blutwerten, Ultraschall- und CTG- Kontrollen kann einem schweren Verlauf vorgebeugt werden. Je früher eine Präeklampsie erkannt und mit einer symptomatischen Therapie und entsprechenden Diagnostik begonnen wird, desto besser für dich und dein Kind.


